Jede Spielerin bestmöglich fördern

Seit Sommer letzten Jahres ist Marco Pfennig Trainer unserer B-Juniorinnen. Zuvor hatte der 35-Jährige mit dem FV Wiehl und den Sportfreunden Siegen bereits höherklassige Mannschaften trainiert, eine Mädchenmannschaft in der Regionalliga bedeutete für den B-Lizenz-Inhaber allerdings Neuland. In unserem Interview blickt er auf sein erstes halbes Jahr in Freudenberg zurück, erklärt worüber er sich vor der Aufgabe bei der Fortuna große Gedanken gemacht hat und inwiefern die Corona-Pandemie seine Arbeit als Trainer beeinflusst.

Marco, was hat dich dazu gebracht, die Aufgabe bei unseren U17-Juniorinnen anzutreten?

Nachdem ich beim FV Wiehl und den Sportfreunden Siegen schon in höheren Ligen und mit sehr motivierten, jungen Spielern gearbeitet habe, gab es hier in der Gegend nicht viele Trainerposten, die mich wirklich gereizt hätten. Als dann aber der Anruf von Freudenbergs Jugendleiter Ralf Jungermann kam, fand ich den Gedanken direkt sehr interessant. Dennoch habe ich mehrere Wochen abgewogen, ob ich diesen hohen Aufwand wirklich betreiben möchte. Letztlich hat mich die Aufgabe aber zu sehr angesprochen und ich war neugierig auf die Spielerinnen und auch auf die Eltern, die für diesen Sport so brennen wie ich.

Der Frauen- / Mädchenfußball ist ein neuer Abschnitt in deiner sportlichen Laufbahn. Wo hattest du anfangs Bedenken und wie gefällt es dir jetzt?
Ich hatte vorher großen Respekt vor der Aufgabe und habe mir vor dem ersten Training mehrmals überlegt, ob ich mit den Mädels genauso umgehen kann, wie ich es von den Jungs gewohnt war. Im Endeffekt sind diese Gedanken aber schnell verflogen und ich habe schnell Gefallen an dem Trainerposten hier gefunden. Es macht mir großen Spaß mit der Mannschaft und ich ziehe meinen Hut auch vor den Eltern, die ihre Kinder toll unterstützen und voll mitziehen. Insgesamt bin ich froh, diesen Schritt gegangen zu sein.

Wie ist nach den ersten fünf Monaten dein Eindruck von Verein, Mannschaft und Umfeld?

Ich wurde im Verein super aufgenommen und der Umgang auf und neben dem Feld ist in meinen Augen vorbildlich. Leider sind durch die Corona-Pandemie einige Dinge, die man aus dem sonstigen Vereinsleben kennt, weggefallen. So hätte ich die Freudenberger Turnierserie zum Beispiel gerne unterstützend begleitet und mit meiner Mannschaft natürlich auch erfolgreich gestaltet. Mit der Zusammenstellung der Mannschaft bin ich sehr zufrieden. Sportlich gesehen haben wir die besten Mädchen aus der Umgebung in unseren Reihen und auch charakterlich ist die Mannschaft super. Die Akzeptanz untereinander ist wirklich bemerkenswert und es gibt keinen Quertreiber. Zudem verfügen die Mädchen über eine hohe Lernbereitschaft, sodass ich als Trainer viel bewirken und vermitteln kann.  

Mit welchem Ziel bist du in die neue Saison gestartet und wie ist da momentan der Stand der Dinge?

Mein primäres Ziel ist es, jede Spielerin bestmöglich zu fördern und weiterzuentwickeln. Das ist gerade im Jugendfußball ganz wichtig. Aus meiner Sicht haben viele Spielerinnen in den letzten fünf Monaten auch einen großen Schritt nach vorne gemacht, sodass mit Sicherheit einige die Chance bekommen werden, nächste Saison in der ersten Frauenmannschaft zu spielen. Bezogen auf die Mannschaftsziele war von Anfang an klar, dass minimal die Klasse gehalten werden soll. Allerdings haben wir ja auch alle gesehen, dass nach oben hin mehr möglich ist. Mal sehen, wofür es am Ende reichen wird.

Was bedeutet es für euch, dass aufgrund der Corona-Pandemie dieses Jahr kein Spiel und Training mehr stattfinden wird?

Dass wir nicht gemeinsam auf dem Platz stehen können, nervt mich und die Mannschaft natürlich enorm. Doch der sportliche Aspekt spielt für mich hier sogar eine eher untergeordnete Rolle. Viel dramatischer finde ich es, dass auch viele soziale Aspekte auf der Strecke bleiben. Ohne den Fußball wird einem richtig bewusst, dass der Sport ein Ventil darstellt, um die überschüssige Energie rauszulassen und sich vom Alltag abzulenken. Und das ist derzeit definitiv das, was derzeit fast allen fehlt. Wir können alle nur hoffen, dass sich das nicht mehr so lange hinziehen wird.

Wie sieht die Arbeit mit den Mädels in dieser schwierigen Zeit aus?

Zunächst haben wir eine Art Ersatztraining angeboten, aber aktuell sind meiner Meinung nach andere Dinge als Waldläufe oder Taktikschulungen gefragt. Viel wichtiger ist es, im Gespräch mit den Spielerinnen zu bleiben und sich ab und an auszutauschen. Der Austausch über die Wünsche zu Weihnachten war in diesem Zusammenhang zum Beispiel ein sehr interessanter Einblick in die Gedankenwelt. Sportlich wird es nach der Zwangspause wichtig sein, schnell wieder den richtigen Fokus zu bekommen. Nach der guten Hinrunde möchten wir auch nach dem Re-Start konstant attraktiven Fußball ohne Angst spielen.

Stand jetzt steht ihr auf dem 2. Tabellenplatz. Sollte im neuen Jahr wieder Normalität einkehren: Was ist sportlich noch für euch möglich?

Ich sehe uns gefühlt schon als Tabellenführer, da wir bisher als einzige Mannschaft alle Spiele gewonnen haben. Auch wenn es wieder losgeht wollen wir die Spiele kontrollieren, möglichst in jeder Aktion aktiv sein und den Mut haben, auch Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen. Die Partie gegen die Landesliga-Frauen des SV Germania Salchendorf stellt für mich dabei einen Knackpunkt dar, da wir seitdem mental einen riesigen Sprung gemacht haben. Dort haben wir nach einem 2:0-Vorsprung noch 4:2 verloren, daraus aber viele Lehren gezogen. Seitdem treten die Mädels sehr selbstbewusst und gefestigt auf. Sollte es im neuen Jahr weitergehen, wollen wir daran wieder anknüpfen und weitermachen.

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